V²bIT

 

Die Entwicklung innovativer Softwaresysteme ist eine anspruchsvolle Aufgabe: Es sollen in kurzer Zeit Produkte mit hoher Qualität entwickelt und freigegeben werden, ohne dabei Budgetgrenzen zu überschreiten. Ein erheblicher Teil der Projektbudgets wird dabei für Tests eingesetzt, und dennoch bleiben immer wieder wichtige Fehler unentdeckt. Die Testteams stehen daher unter Druck, die Effizienz ihrer Aktivitäten zu optimieren. Wichtige „Stellschrauben“ sind z.B. die Testprozesse, der Werkzeugeinsatz und speziell die Testautomatisierung. Häufig werden aber die entstehenden Aufwände und somit der Break-Even dieser Maßnahmen falsch eingeschätzt. Beispielsweise fehlt es an praxistauglichen Leitlinien für die Entscheidung, ob und in welchem Umfang manuell oder automatisiert getestet werden soll. Aus diesem Grund hat das Institut für Weiterbildung, Wissens- und Technologietransfer (IWT) als Träger des Innovationszentrums Fallenbrunnen das Projekt

 

Validation und Verifikation von IT-Systemen unter Wirtschaftlichkeitsaspekten (V²bIT)

 

begonnen, das auf die langjährige Erfahrung der DHBW im Bereich bedienergeführter IT- und Elektroniksysteme aufbaut und durch die Zeppelin-Stiftung über eine Dauer von zu-nächst zwei Jahren gefördert wird. DHBW-typisch werden dabei Theorie und Praxis eng miteinander verzahnt.

 

Das Ziel des Projektes V²bIT ist es, zur Entwicklung praxistauglicher und bedarfsorientierter Leitlinien für die wirtschaftliche Durchführung von Softwaretestprojekten beizutragen.

 

Konkret sollen Guidelines zu folgenden Fragestellungen erarbeitet werden:

  • Kalkulationshilfen für die Budgetierung von Softwaretestprojekten in Abhängigkeit von Faktoren wie z.B. Projektgröße, Systemkomplexität, Erfahrung des Teams etc.
  • Welcher Automatisierungsgrad stellt ein wirtschaftliches Optimum dar, abhängig von Systemmerkmalen etc.?
  • Welche Testfalltypen lassen bei der Automatisierung eine besonders kurze Amortisationszeit erwarten, sind also wirtschaftlich besonders attraktiv?
  • Es ist zu erwarten, dass im Projektverlauf durch die Partnerunternehmen weitere Fragestellungen eingebracht werden, die nach Möglichkeit ebenfalls bearbeitet werden sollen. 

 

 

Mögliche Zusammenarbeit

 

Im Rahmen des Projektes V²bIT sind unterschiedliche Grade der Zusammenarbeit zwischen Industrieunternehmen und IWT möglich. Die Bandbreite reicht dabei vom einmaligen Inter-view mit Projektmanagern und ggf. Testern bis hin zur Analyse vor Ort und längerfristigen Begleitung von Testprojekten.

 

Derzeit führt das IWT eine Bedarfsanalyse bei Partnerunternehmen durch. Dabei wird in einem oder auch mehreren Interviews der konkrete Bedarf in einem Unternehmen erarbeitet, beispielsweise:

  • Was sind typische Projektsituationen, in denen „in Unsicherheit“ entschieden wird (z.B. Aufwandsverteilung, Werkzeugeinsatz, Automatisierungsgrad)?
  • Welche Hilfsmittel oder Informationen wären wünschenswert, um Wirtschaftlichkeits-fragen in einem Testprojekt bewerten und das Projekt entsprechend verbessern zu können?

Die teilnehmenden Partnerunternehmen erhalten eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

 

Im Rahmen einer Praxisstudie erhebt das IWT bei Partnerunternehmen, in welcher Weise dort derzeit Wirtschaftlichkeitsaspekte im Softwaretest berücksichtigt werden. Dazu werden in einem strukturierten Workshop (Zeitbedarf ca. 3 Stunden) verschiedene Aspekte der Planung und Durchführung ausgewählter Projekte des Partnerunternehmens beleuchtet, z.B. Kalkulation, Aktivitätendefinition, Plan-Ist-Vergleich, Projektprozesse, Werkzeugeinsatz, ggf. Automatisierungsgrad. Das Partnerunternehmen erhält einen Bericht über die Ergebnisse des Workshops.

 

Eine tiefergehende Analyse kann durch eine gemeinsame Aufwandsvermessung eines Projektes erfolgen, vgl. Abb. 1. Dabei wird ein durch das IWT vorgelegter Aktivitätenkatalog („Welche Aktivitäten könnten in einem Softwaretestprojekt grundsätzlich anfallen?“) an das konkrete Projekt des Partnerunternehmens angepasst. Auf dieser Grundlage stellt das IWT Hilfsmittel zur Aufwandserfassung bereit, die das Partnerunternehmen nun zur detaillierten Aufwandserfassung eines konkreten Projektes oder einer Projektphase nutzt, begleitet durch das IWT. Die Auswertung der Messdaten erfolgt durch das IWT, das Partnerunternehmen erhält einen Ergebnisbericht. 

 

 

Projektablauf im Rahmen von V²bIT

 

Das IWT hat außerdem Interesse an Projektkennzahlen abgeschlossener und laufender Softwaretestprojekte. Ziel ist der Aufbau einer (anonymisierten) Projektdatenbank, um längerfristig Vergleichswerte und Benchmarks ermitteln zu können. Die Ergebnisse der o.g. Aufwandsvermessungen fließen ebenfalls in diese Projektdatenbank ein.

 

Eine besonders intensive Zusammenarbeit bedeutet eine Vergleichsstudie zwischen manuellem und automatisiertem Testen. Dabei werden sowohl die Aufwände vermessen, die beim manuellen Testen entstehen, als auch die bei der Automatisierung und automatisierten Test-durchführung anfallenden. Dies kann an verschiedenen Releases desselben Systems oder an gut vergleichbaren Systemen erfolgen. Das Ergebnis ist eine unternehmensspezifische Vergleichsstudie, die Aussagen zum Aufwand und ggf. zur Wirtschaftlichkeit des automatisierten Softwaretests im jeweiligen Anwendungsfall liefert. 

 

 

Nutzen für die Projektpartner

 

  • Betrachtung Ihres Projektes „von außen“ – möglicherweise ergeben sich daraus Ansatzpunkte für die Verbesserung Ihres Projektes.
  • Sie erhalten regelmäßig die Ergebnisse unserer Recherchen.
  • Networking: Das IWT wird die Partnerunternehmen regelmäßig zu Workshops einladen, um den Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen zu fördern.
  • Projektdatenbank: Die durch die Projekt-Aufwandsvermessungen ermittelten Daten werden anonymisiert und formalisiert in einer Projektdatenbank abgelegt, ebenso die durch Partnerunternehmen bereitgestellten Projektkennzahlen. Sobald eine ausreichende Zahl vergleichbarer Projekte vorliegt, werden vielfältige Auswertungen möglich, z.B. Benchmarks. Längerfristig ist ein Werkzeug zur Auswertung denkbar.